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Zur Geschichte von Kloster und Kirche

Die Klostergründung

Die Annahme, dass Thüring von Lützelflüh neben dem Kloster Trub auch  dasjenige von Rüegsau gründete, scheint naheliegend. Sie wird aber durch keine historische Quelle gestützt. Den ersten Hinweis auf ein Kloster in Rüegsau finden wir in einer Urkunde von 1256. Das Kloster selbst wird dann erstmals 1274 erwähnt. Es stand unter dem geistlichen Schutz des Abtes von Trub.

 

Aus dem Leben der Klosterfrauen

Als die ersten Nonnen nach Rüegsau kamen, fanden sie in dem stillen Talgrund nur ein kleines Klösterchen, das vielleicht einem Dutzend Frauen Platz bot. Sie befolgten für ihr Klosterleben die Regel des HI. Benedikt, sie waren also Benediktinerinnen. Zu ihren Aufgaben gehörten einerseits die Selbstheiligung, die Liturgie und das Chorgebet, anderseits die Handarbeit im Haus, Garten und Feld. Es galt, den ausgedehnten und verstreuten Güterbesitz, vom entlegenen Hof in Walterswil bis zu den Reben im Landeron, zu verwalten. Anfänglich dürfte der Grundbesitz zwar nur in ein paar Gütern bestanden haben. Später jedoch mehrte sich der Besitz hauptsächlich durch Vergabungen, sodass ums Jahr 1500 rund hundert Bauernhöfe und Landstücke ihre Abgaben dem Kloster zu entrichten hatten.

 

Es war nicht nur Freude, was das Jahr hindurch auf unsere Klosterfrauen wartete. Einmal wurden ihnen aus dem Rüegsaubach die Fische gestohlen, ein andermal schlug ihnen ein Nachbar die Schweine tot, die seinen Boden durchwühlt hatten.

Auch von Unglück blieb das Kloster nicht verschont. Anno 1495 brannte das Klostergebäude nieder. Dank einem von Bern bewilligten Bettelbrief konnte dieses aber wieder aufgebaut werden. Das Klosterglöcklein, das damals gestiftet wurde, läutet noch heute durch das Rüegsautal.

 

Drei Jahre vor der Reformation verheiratete sich eine Klosterfrau mit Thüring von Wintersei, und Bern verpflichtete das Kloster zur Herausgabe des eingebrachten Gutes. Die übrigen fünf Nonnen, jede mit einer Entschädigung von 200 Pfund versehen, verliessen 1528 das Kloster.

 

Die Aufhebung des Klosters

Mit der Einführung der Reformation im Jahr 1528 wurden die bernischen Klöster aufgehoben. Das war keine einfache Sache und konnte nicht von heute auf morgen geschehen. Die Durchführung der Kirchenreform brauchte Zeit, denn sie war mit verschiedenen rechtlichen Fragen verbunden. Dass der Staat meistens zu seinen Gunsten entschied, liegt auf der Hand. Somit wurde das Klostervermögen eingezogen und darüber verfügt. Daraus waren u.a. die beiden Pfarrer von Rüegsau und Lützelflüh zu besolden. Aus einem Teil des Klosters sollte das spätere Pfarrhaus entstehen. Was aus den übrigen Gebäuden geschah, weiss man nicht mehr. Sie verschwanden im Laufe der Zeit. Die letzten Mauerreste wurden zwischen 1825 und 1831 beseitigt.

 

Kirchen und Kirchgemeinde

Wenn alles nach der Meinung von Bern gegangen wäre, hätte die Kirchgemeinde heute nur noch eine Kirche. Die Kapellen zu St. Johann in Rüegsau und zu St. Blasius in Rüegsbach hätten nämlich beide abgebrochen werden sollen. Dieses Vorhaben stiess jedoch auf den Widerstand der Rüegsauer Bevölkerung. Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass Rüegsau und Rüegsbach eigentlich zwei Kirchgemeinden waren. So besass jede Kirche ihr eigenes Kirchengut, aus dem der Unterhalt der Kirchen bestritten wurde.

 

Diese Trennung blieb als interne Angelegenheit noch lange Zeit bestehen. Erst im Jahr 1677 ist festzustellen, dass eine Zusammenlegung der beiden Kirchengüter stattgefunden hat. Das ganze Gebiet des Kirchspiels bildete später auch die Einwohnergemeinde Rüegsau.

 

Die beiden Kirchen waren keine Schmuckstücke. In der Innenaustattung nüchtern bis in die hinterste Ecke, boten sie ein Bild trostloser Öde. Dieser Zustand nahm wenigstens für Rüegsbach durch die gründliche Renovation des Jahres 1934 ein Ende. Die Kirche Rüegsau wurde 1789/90 und 1874 durch den Anbau eines Chorraumes renoviert. Durch die Renovationen von 1947, 1990 und 1999 druch die Neugestaltung der Fenster erhielt sie schliesslich die heutige Erscheinung.