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Kirche Rüegsau

Unsere Kirchen waren keine Schmuckstücke. In ihrer Innenaustattung nüchtern bis in die hinterste Ecke, boten sie ein Bild trostloser Öde.

Die Hauptkirche in Rüegsau wurde 1789/90 erneuert und ihr 1874 ein Kirchenchor angebaut. Es waltete leider kein guter Stern über diesen Umbauten. Der einzige wirklich wertvolle Schmuck, eine von Bern 1611 gestiftete Standesscheibe, verschwand spurlos.

Im Jahre 1758 schlug der Blitz in die Kirche und 1892 verbrannte der hübsche Dachreiter. Dieser wurde durch ein verschnörkeltes Türmchen ersetzt. So blieb lange alles beim alten, bis 1946/47 eine gutgelungene Renovation der Kirche in Rüegsau einen würdigen Innenausbau brachte.

1804 bekam die Kirche in Rüegsau eine neue Glocke. Sie stammte aus der Glockengiesserei Mezger in Langenthal und kostete 210 Kronen 22 Batzen. Im Jahr 1913 wurde diese Glocke bei Rüetschi in Aarau umgegossen und bei der gleichen Firma zugleich eine neue bestellt. Das Glockengeläute ergab den Dreiklang "a-cis-e".

 

Die Orgel

Bis gegen das Ende des 18. Jahrhunderts begleitete kein Orgelspiel die Choräle vor und nach der Predigt. Man begnügte sich mit dem Schulmeister, der die Lieder vorsang. Doch 1773 stellte die Gemeinde drei Posaunisten an, um etwas mehr von der holden Musik in der Kirche zu haben. Sie waren sozusagen die Vorläufer der Orgel in Rüegsau und Rüegsbach. 1787 beschloss die Gemeinde, man wolle in beiden Kirchen eine Orgel machen lassen. In Rüegsau eine 10 Register Orgel. Sie wurde hergestellt vom Orgelmacher Wäber zu Juchten. Sie diente über hundert Jahre und wurde 1900 durch eine Goll-Orgel ersetzt. Mit der Renovation von 1947 erhielt die Kirche eine neue, wohlklingende Orgel.

 

Die Restaurationen

Die Kirche wurde 1789/90 und 1874 durch den Anbau eines Chorraumes renoviert.

Die Renovation von 1946/47 wurde als gelungene Renovation bezeichnet. Heute nennen Fachleute (Denkmalpflege) die damalige Renovation eine "brutale Renovation".

Diverse Teile wurden bei der Restauration von 1989/90 wieder in den ehemaligen Zustand vor der Renovation 1946/47 zurückgeführt. Davon betroffen waren die Nordfassade, der Eingang auf der Nordseite und das wieder freigelegte gotische Rundfenster. Im Juni 1989 wurde die Turmspitze demontiert und in der Lehrwerkstätte Bern zerlegt. Nach dem Entfernen der Blechverkleidung und der Holzschalung musste leider festgestellt werden, dass sich der Turm, welcher aus den Jahren 1893 und früher stammte, in einem derart schlechten Zustand befand, dass der komplett demontiert werden musste. Die wenigen noch brauchbaren Balken wurden mit Altholz des "Mühleabbruches in Thun" ergänzt und neu angefertigt.

Der neue Turm wurde, wie vorgesehen, mit Kupfer-Titan-Zink-Blech neu eingekleidet, die Giebel wurden anhand von Farbspuren und Fotos gestrichen. Auch die Zifferblätter erhielten wieder die Farben wie vor 1946.

 

Durch die Renovation von 1999 mit der Neugestaltung der Fenster erhielt die Kirche Rüegsau schliesslich die heutige Erscheinung.

 

2007 war die letzte grosse Innenrenovation. Da wurden unter anderem sämtliche Bänke ausgewechselt. Die ganze Beleuchtung mit Schallanlage wurde ebenfalls neu gemacht.